Initiative Neuevangelisation
Initiative Neuevangelisation in der katholisch-charismatischen Erneuerung
Inhalt
Neuevangelisierung in der Kraft des Heiligen Geistes
Aktualisierung:
23.07.2010

 

       Brauchen wir die „Sonntagsschule“ wieder?
 
Machen Sie einmal die Probe aufs Exempel: Fragen Sie einen Zehn- oder Zwölfjährigen, welche Gebote er kennt? Bestenfalls wird er drei oder vier nennen. Die wichtigen ersten drei Gebote sind in aller Regel nicht dabei. Oder fragen Sie einen bereits Gefirmten, was wir an Pfingsten feiern. Nur sehr selten werden Sie die richtige Antwort bekommen. Ähnlich steht es mit der Frage nach den Sakramenten. Manche werden den Ausdruck gar nicht kennen. Andere können – mit Nachhilfe – vielleicht einige wenige nennen. In der Regelaber ist das Sakrament der Beichte nicht dabei.
 
Als Pfarrer habe ich mit jedem, der sich bei mir persönlich zur Firmung angemeldet hat, ein Gespräch geführt, um ihn in etwa kennenzulernen. Zweimal habe ich folgendes erlebt: Auf meine Bitte hin, mir doch irgendein Ereignis aus dem Leben Jesu zu nennen, haben zwei Jugendlichen erklärt, dass sie nichts wüssten. Nach mehreren Hilfen – u.a. mit Verweis auf unsere Festtage – erhielt ich schließlich zweimal gleiche die Antwort, nämlich, dass Jesus an Weihnachten gestorben sei.
 
Nachdem ich oft und oft – auch bei Ministranten – die Erfahrung gemacht habe, wie lückenhaft das religiöse Wissen unserer Kinder und Jugendlichen ist, drängt sich mir der Gedanke auf: Der Religionsunterricht führt unsere jungen Menschen nicht mehr in den Glauben ein, so dass sie darin heimisch würden. Schon die Würzburger Synode aus de Jahren 1971 - 75 hat seinerzeit beschlossen, dass die Kinder über den Glauben nur noch „informiert“ werden sollen. Den Gedanken an eine wirkliche Katechese hatte man also damals schon aufgegeben. Inzwischen hat sich der Religionsunterricht aber weitgehend zu einem „Religionskunde-Unterricht“ entwickelt, der die verschiedenen Religionen behandelt, und hier heute besonders den Islam. So kann es vorkommen, dass manche Kinder die fünf Säulen des Islam besser kennen als die sieben Sakramente. Auf diese Weise ist es nicht verwunderlich, dass ein Schülerjahrgang nach dem anderen ins Leben tritt, ohne den Glauben wirklich zu kennen, geschweige denn ihn zu lieben und aus ihm zu leben. Die Folge sind die heute weithin leeren Kinderbänke in unseren Kirchen, die sich nur gelegentlich halbwegs füllen, wenn alle vier oder sechs Wochen einmal ein „Familiegottesdienst“ stattfindet.
 
Wenn man nach den Ursachen dieser bedauerlichen Entwicklung fragt, so stößt man auf verschiedene Faktoren. Ohne den Gutwilligen und Bemühten unter den Religionslehrern Unrecht tun zu wollen, muss man ehrlicherweise zugeben: Ein Teil der Lehrkräfte im RU hat sich innerlich von der Kirche distanziert. Viele von ihnen können sich mit der Kirche nicht mehr identifizieren. Sie haben für sich am Glauben der Kirche persönlich Abstriche gemacht und hängen oft sehr fragwürdigen theologischen Ansichten an. So ist es nicht verwunderlich, dass sie den Gottesdienst z.T. nur noch selten oder auch gar nicht mehr besuchen. Auch leben Jüngere nicht selten mit Freund oder Freundin unverheiratet zusammen. Wenn man all dies in Rechnung stellt, dann ist es verständlich, dass dieser Personenkreis im Unterricht den katholischen Glauben nicht mehr in der nötigen Intensität vermitteln kann. Man kann ja nur das weitergeben, was man selbst lebt.
 
Es gibt aber unter den Religionslehrern auch noch eine zweite Gruppe, die persönlich am Glauben festhält und ihr Bestes tut, um ihre Schüler und Schülerinnen für den katholischen Glauben zu gewinnen. Diese Lehrkräfte haben unter ihren Kollegen und Kolleginnen oft keinen ganz leichten Stand. Weit folgenreicher aber ist, dass sie nicht selten vor einer nahezu unüberwindlichen Abwehrwand stehen, insbesondere bei den älteren Schülern. Ich selbst habe z.B. folgende Szene erlebt: Nachdem ich in einer achten Klasse der Hauptschule das Neue Testament ausgeteilt hatte, steht eine Schülerin auf und sagt: „Herr Diakon, ich will ihnen mal etwas sagen: Wir sind jetzt acht Jahre in dieser Schule. Uns hat niemand gläubig gemacht, und ihnen gelingt das auch nicht.“ Wenn diese Schülerin nicht nur für sich selbst, sondern für die Mehrheit der Klasse spricht, dann hat auch der gutwilligste Religionslehrer einen schweren Stand.
 
Ich habe diese und ähnliche Szenen seinerzeit dem heutigen Papst erzählt, der damals unser Erzbischof war. Ich sagte zu ihm: „Herr Kardinal, mir tun in jeder Klasse die fünf Kinder leid, mit denen noch etwas anzufangen wäre. Aber die übrigen zwanzig machen es einfach unmöglich.“ Weiter schlug ich ihm vor, dass wir – ähnlich wie in der damaligen DDR - eine freiwillige außerschulische religiöse Unterweisung einführen sollten, damit wenigstens ein Teil der Kinder noch gläubig heranwachsen könnte. Diesen Vorschlag machte ich u.a. deshalb, weil ich bei Besuchen in der DDR sah, dass die Kinder meiner dortigen Verwandten im Glauben viel besser Bescheid wussten als meine eigenen hier im Westen. Seit diesem Gespräch sind inzwischen viele Jahre vergangen. Und seitdem sind weiterhin viele Jugendliche ohne fundiertes Glaubenswissen und ohne eine persönliche Bekehrung ins Leben getreten. Sie sind inzwischen häufig selbst schon junge Väter und Mütter, die mit ihren Kindern sonntags nicht mehr den Gottesdienst besuchen und auch nicht mehr mit ihnen beten.
 
Als ich Jahre später selbst noch Pfarrer geworden bin, hatte ich die Möglichkeit, die Kinder meiner Pfarrei im Religionsunterricht selbst auf die Erstkommunion vorzubereiten. Wenn dann das Schuljahr zu Ende ging, sagte ich ihnen, dass sie im nächsten Jahr einen anderen Religionslehrer bekommen würden. Da gab es immer ein großes Bedauern: „Warum kommen sie denn nicht mehr?“ Ich sagte dann: „Von jetzt ab könnt ihr zu mir kommen. Jeden Dienstag um 3 Uhr ist im Pfarrheim Glaubensstunde, und ihr alle seid herzlich dazu eingeladen.“ Daraufhin kam dann jeweils etwa ein Drittel der Klasse zu diesen Glaubensstunden und machten interessiert mit, so dass sie im Laufe der Zeit ein gediegenes Glaubenswissen vorweisen konnten. Diese Glaubensstunden konnte ich über mehrere Jahre fortführen.
 
Deshalb möchte ich vorschlagen: Wir sollten – wo immer es möglich ist – auch in Deutschland wieder eine außerschulische Glaubensunterweisung einführen. In vielen Ländern ist dies sowieso selbstverständlich, z.B. in den USA. Freilich kann man bei unserem heutigen Priestermangel diese Aufgabe nicht den immer weniger werdenden Pfarrern und Kaplänen übertragen. Es wäre m. E. aber ein anderer Weg denkbar: Es gibt bei uns eine Vielzahl geistlicher Bewegungen und Neuaufbrüche. Unter den Mitgliedern dieser Gruppen - aber auch unter den anderen tiefgläubigen Gemeindegliedern - sind viele bereit, unentgeltlich und in ihrer Freizeit eine solche Aufgabe zu übernehmen. Die Betreffenden hätten auch selbst einen großen Gewinn davon, denn bekanntlich vertieft nichts den eigenen Glauben mehr, als wenn man ihn weitergibt.
 
Es wäre m. E. verfehlt, so etwas von heute auf morgen überstürzt und flächendeckend einführen zu wollen. Vielmehr sollte es hier ein allmähliches Wachstum geben, etwa indem man an einzelnen Orten mit solchen Glaubensstunden beginnt, also dort, wo die Voraussetzungen besonders günstig sind. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der zuständige Bischof zunächst eine geeignete Person sucht, die selbst aus einer der neuen geistlichen Bewegungen stammt und gute Kontakte zu anderen derartigen Gemeinschaften hat. Wichtig ist, dass der- oder diejenige selbst darauf brennt, den Glauben unter den Kindern und Jugendlichen auszubreiten und ein solches Werk aufzubauen. Wer diese Aufgabe übernimmt, sollte deshalb zunächst Kontakt zu den einzelnen Gemeinschaften aufnehmen, um Leute zu gewinnen, die bereit sind, gewissermaßen als „Sonntagsschullehrer“ diese Arbeit zu beginnen.
 
Um diese Mitarbeiter anzuleiten und zu begleiten, steht bereits jetzt ein hervorragendes Hilfsmittel zur Verfügung. Es ist die Reihe „Glauben und Leben“, die über den MM-Verlag in Aachen zu beziehen ist. Sie wurde von Weihbischof Laun, Salzburg, herausgegeben. Hier sind inzwischen die Jahrgänge eins bis sieben erschienen. Die Reihe stammt ursprünglich aus USA und wurde von Weihbischof Laun für den deutschen Sprachraum bearbeitet. Da in den Staaten das „Home-Schooling“ erlaubt ist – also Eltern ihre Kinder auch zu Hause schulisch unterrichten dürfen – war diese Reihe für die häusliche katholische Glaubensunterweisung gedacht. Ohne zu übertreiben kann man sagen: Hier liegt seit Jahren zum ersten Mal wieder ein Buch für die religiöse Unterweisung der jungen Generation vor, das man uneingeschränkt empfehlen kann, weil es den authentischen katholischen Glauben ohne Abstriche und Verfälschungen auf eine moderne Weise wiedergibt. Für jeden Jahrgang sind drei verschiedene Bücher erschienen: Das eigentliche, gut bebilderte Lehrbuch; dann ein ideenreiches Arbeitsheft für die Hand der Kinder, mit dessen Hilfe sie das Gelernte wiederholen und vertiefen können; schließlich noch ein didaktisches Buch, dass dem Unterrichtenden zeigt, wie er mit diesen Büchern arbeiten kann. Mit Hilfe dieser Arbeitsmittel sollte es nicht schwierig sein, die zukünftigen „Sonntagsschullehrer“ auf ihre Arbeit vorzubereiten und sie bei den ersten Schritten zu begleiten.
 
Abschließende noch ein Wort zum Prinzip der „Ehrenamtlichkeit“ der vor Ort tätigen „Sonntagsschullehrer“. Das Gelingen dieses Unternehmens steht und fällt mit der missionarischen Einstellung und der tiefen Gläubigkeit der hier Tätigen. Hier sind Menschen nötig, die vom Heiligen Geist erfüllt, darauf brennen, junge Menschen in die Fülle und Schönheit des katholischen Glaubens einzuführen. Hauptamtliche, die nur „teilidentifiziert“ sind, sind hier fehl am Platz. Wenn aber hauptamtlich Tätige bereit sind, in ihrer Freizeit diese Arbeit zu tun, dann steht dem sicher nichts im Weg. Der brennende Wunsch, Kinder und Jugendliche für das zeitliche und ewige Heil in Jesus Christus zu gewinnen, sollte die ausschließliche Motivation für diese Tätigkeit sein.
 
Dr. Hansmartin Lochner
 

 Neuevangelisierung in der Kraft des Heiligen Geistes


von Dr. Hansmartin Lochner

 
Ratlosigkeit in Deutschland
Wiederholt und mit großem Nachdruck ging der verstorbene Papst Johannes Paul II. auf das Thema „Neuevangelisierung“ ein. Die deutsche Bischofskonferenz hat dazu zwei Papiere herausgegeben: „Zeit der Aussaat“ und den Hirtenbrief zum Missionssonntag 2004. Doch davon abgesehen sieht es so aus, als wisse man in Deutschland mit diesem Thema nicht viel anzufangen bzw. als sehe man keinen konkreten Weg, wie man hier tätig werden könne. Dabei wäre eine Neuevangelisation gerade in Deutschland heute dringend erforderlich. Papst Benedikt XVI. hat kürzlich selbst darauf hingewiesen, dass schon über die Hälfte der Deutschen nicht mehr getauft ist. Besonders die neuen Länder sind stark entchristlicht. Und auch im Westen erleben wir schon jahrelang einen Auszug aus der Kirche. Dieser macht sich inzwischen bekanntlich auch finanziell bemerkbar. Schlimmer aber ist, dass die Jahrhunderte lange Glaubensweitergabe von einer Generation zur anderen inzwischen nach Null tendiert. Die leeren Kinderbänke in den Kirchen und die weithin fehlenden jungen Familien sprechen eine deutliche Sprache. Neuerdings überlegt man ja schon, was man mit den nicht mehr benötigten Gotteshäusern anfangen soll – ob man sie besser verkauft oder abreißt.

Aufbruch in den USA und in Indien

Wie viel anders sieht es dagegen in den meisten außereuropäischen Ländern aus! In den USA gibt es zwar auch schrumpfende Gemeinden. Aber das Erwachsenen-Katechumenat ist dort flächendeckend ausgebaut, so dass jährlich Tausende von Erwachsenen getauft werden. Auch in der Dritten Welt wachsen die Gemeinden ständig. In Indien etwa werden in vielen Bildungshäusern laufend einwöchige Exerzitien abgehalten. An ihnen nehmen auch viele Hindus, Mohammedaner und Buddhisten teil. Die „kleinen“ Häuser haben jeweils bis zu 1000 Teilnehmer, das größte in Poona bis zu 20 000. Manche der Patres, die dort wirken, sind inzwischen auch zu uns nach Deutschland gekommen, um ähnliche Exerzitien zu geben. Da sie stark von der charismatischen Erneuerung geprägt sind und es bei diesen Treffen auch oft zu Heilungen kommt, ist die Anziehungskraft dieser Veranstaltungen groß. Gerade bei den von den Patres gründlich vorbereiteten Beichten kommt es immer wieder zu tiefgreifenden Bekehrungen von Menschen, die Jahre lang keine Kirche mehr von innen gesehen haben.

Erfolg der bibeltreuen Freikirchen

Ähnliches ist bei vielen in Deutschland tätigen pfingstlerischen Freikirchen zu beobachten. Sie sind ausgesprochen bibeltreu. Weil sie sich von den Tendenzen einer übertriebenen historisch-kritischen Exegese fernhalten, ist ihr Glaube an das Wirken des Heiligen Geistes auch in unserer Zeit ungebrochen. Und obwohl sie sich in sexualethischen Fragen streng an die Bibel halten, haben sie gerade unter jungen Menschen starken Zulauf.

Eine ähnliche Wirksamkeit entfalten derartige Gruppen auch in Süd- und Mittelamerika. Da viele Katholiken dort nicht wirklich bekehrt sind, sondern oft nur äußerlich und gewohnheitsmäßig der Kirche angehören, gewinnen diese stark charismatisch-freikirchlich geprägten Gruppen viele Menschen. Man rechnet damit, dass in manchen Ländern schon die Hälfte aller Bewohner nicht mehr katholisch ist. Wie anders könnte diese Situation sein, wenn z.B. die Kirche in Brasilien oder in Guatemala sich frühzeitig auf die Kraft des Heiligen Geistes besonnen hätte, so wie es etwa in Indien heute der Fall ist.

Evangelisierung „mit der Kraft aus der Höhe“

Wenn man aus diesen Beobachtungen einen Schluss ziehen will, so muss man sagen: Entscheidend für eine erfolgreiche missionarische Tätigkeit ist, dass sie in der Kraft des Heiligen Geistes geschieht. Das geht schon eindeutig aus der Heiligen Schrift hervor. So erteilt Jesus den Aposteln zwar nach der Auferstehung den Missionsbefehl, sagt aber ausdrücklich: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet!“ (Lk 24,49) Erst mit der Geistausgießung an Pfingsten erhalten die Jünger jene Zurüstung, mit der sie erfolgreich an die Mission herangehen können. Zuvor hatte ihnen der Herr bereits den Auftrag gegeben: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10,8) Ähnlich heißt es auch im 16. Kapitel des Markusevangeliums von den gläubig gewordenen Christen: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden… und Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ (Mk 16,17 f.) Wenig später berichtet Markus: „Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch Zeichen, die er geschehen ließ.“ (Mk 16,20) Mit anderen Worten: Ihre vom Geist erfüllte Predigt wurde durch geistgewirkte Zeichen und Wunder bestätigt – genau so, wie es seinerzeit bei der Verkündigung Jesu nach seiner Taufe im Jordan geschehen ist. Später bestätigt die Apostelgeschichte, dass der Herr in der Kraft des Geistes mit den Aposteln war, sie lenkte und leitete, so dass die Gemeinden immer stärker wuchsen.

„Historisch-kritische Hürde“ für das Übernatürliche

Wenn man sich nun fragt, warum Gleiches nicht heute bei uns passiert, so kann man wohl mit Fug und Recht sagen: Wir haben heute in Deutschland weithin auf den Heiligen Geist vergessen. Das zeigt sich z.B. schon bei der Art, wie die Apostelgeschichte heute ausgelegt wird. Man sagt da etwa: „Lukas zeichnet hier ein Idealbild von Kirche. In Wirklichkeit hat es sich seinerzeit nicht so zugetragen, wie es hier geschildert wird. Oder wer sieht heute etwa bei uns, dass Lahme gehen, Blinden die Augen aufgetan werden oder Tauben die Ohren. Was wir heute nicht erleben, kann auch früher so nicht stattgefunden haben.“

Interessant ist in dieser Hinsicht eine Beobachtung: Vor einigen Jahren besuchte Pater Tardif Deutschland. Bei seinen Predigten kamen gehäuft ähnliche „Zeichen und Wunder“ vor wie in der Apostelgeschichte. In manchen Gegenden Deutschlands wurde er aber keineswegs freundlich aufgenommen. Vielmehr hieß es: „So etwas passt nicht zu uns. Der darf nicht wieder zu uns kommen.“ Mancherorts wurde sein Auftreten auch von vorn herein abgelehnt.

Mir scheint, dass wir in Deutschland mit dem Heiligen Geist, mit seinem Wirken und seinen Geistesgaben nicht viel anfangen können. Beeinflusst von der historisch-kritischen Exegese, z.B. von Bultmann und seinen Nachfolgern, ist die ganze Welt des Übernatürlichen weitgehend aus unserem Bewusstsein geschwunden. In den Predigten hören die Gläubigen stattdessen, dass die Wunder, wie sie in den Evangelien stehen, so nicht geschehen sein können bzw. dass sie nur symbolisch verstanden werden dürfen. Alles Derartige, was die Evangelien berichten, einschließlich der Jungfrauengeburt, der Auferstehung, der Geistausgießung an Pfingsten und der Menschwerdung Gottes sei nicht wörtlich zu verstehen, sondern nur in einem „gleichnishaften“, „übertragenen“ Sinn. Was dann an kirchlichem Leben noch übrig bleibt, ist letztlich menschliches, sicher oft auch karitatives Tun - zweifellos gut gemeint, aber nicht mehr eindeutig aus jener göttlichen Quelle gespeist, die hinter allem christlichen Wirken stehen sollte.

Anzeichen für die „Geistvergessenheit“

Die für unsere Zeit typische „Geistvergessenheit“ zeigt sich auf vielfache Weise: So ist z.B. kaum noch von der „Inspiration“ der Heiligen Schrift die Rede. Weiterhin betrachten viele die Kirche und ihr Tun als reines „Menschenwerk“, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Sie wissen nichts mehr davon, dass der Heilige Geist die Kirche geleitet hat und nur er sie leiten kann. Deshalb erheben sich auch immer wieder die vielen, vom Zeitgeist beeinflussten Änderungswünsche, wie sie etwa vor dem jüngsten Konklave in vielen Medien geäußert wurden.

Ferner ist das Thema „Heiligkeit“ und „Heiligung“ weitgehend aus dem Bewusstsein entschwunden, ja selbst bei der Priesterausbildung scheint es kaum noch eine Rolle zu spielen. Damit hängt auch zusammen, dass das Thema „Sünde“ kaum noch erörtert wird und die Beichte weitgehend dem Vergessen anheim gefallen ist.

Das deutlichste Anzeichen für die heutige „Geistvergessenheit“ aber dürfte die mangelnde Einheit im Glauben sein, die man heute leider auch bei uns beobachten kann. So weit ich mich erinnere, hat Papst Benedikt XVI. selbst davon gesprochen, dass die katholische Kirche in Deutschland heute praktisch gespalten ist.

Wie können wir den Heiligen Geist erfahren?

Was also kann und muss geschehen, damit eine „Neuevangelisation in der Kraft des Heiligen Geistes“ auch in Deutschland wieder möglich wird?

Es braucht zunächst so etwas wie eine Wiederentdeckung des Heiligen Geistes als einer tatsächlich erfahrbaren Wirklichkeit. Wenn der Heilige Geist nicht erfahrbar wäre, dann hätte Paulus die Johannesjünger in Ephesus (Apg 19,2) nicht fragen können, ob sie denn den Heiligen Geist empfangen hätten, als sie gläubig wurden. Und auch Petrus hätte nach der Geistausgießung im Haus des Hauptmanns Cornelius nicht feststellen können, dass die unbeschnittenen Heiden genauso überraschend den Heiligen Geist empfangen haben wie die Jünger am Anfang, also an Pfingsten. (Apg 10,45; 11,15 und 15,8). Und noch etwas wird an diesen Stellen deutlich: Wo der Heilige Geist neu erfahren wird, werden auch jene Charismen sichtbar, über die Paulus im 1. Korintherbrief (12, 8-10 und Kap.14) spricht und die in der katholischen Kirche Deutschlands gegenwärtig leider kaum Beachtung finden.

1. Beseitigung der Hindernisse

Wenn man nun fragt: Wie kann ich hier und heute diese erneute Hinwendung zum Heiligen Geist vollziehen, so ist als erstes auf die radikale Umkehr zu verweisen, zu der auch Jesus am Beginn seiner Verkündigung aufruft. Es ist also nötig, sich in einer gründlich vorbereiteten Beichte von aller Sünde und allem Bösen eindeutig abzuwenden. Hindernisse für den Heiligen Geist sind außer den Sünden und sündhaften Gewohnheiten besonders alles Nicht-Vergeben, ferner alle Bindungen und Praktiken im Bereich des Okkulten, des Aberglaubens und des Esoterischen.

2. Bewusste Lebensübergabe
Ein zweiter Schritt ist, dass ich Gott mein Leben von neuem übereigne: Gott soll an erster Stelle in meinem Leben stehen. Nicht mein Wille, sondern der seine soll geschehen. Man kann dies auch als eine bewusste Tauferneuerung verstehen: der alte Mensch soll sterben, damit der neue Mensch „von oben“ her wiedergeboren werden kann. Hilfreich mag hier auch sein, dass andere einem die Hände auflegen und um eine erneute Geisterfüllung beten.

3. Lobpreis Gottes aus Freude an der Berufung
Ein Zeichen dieses neuen Lebens im Heiligen Geist ist häufig eine neue Freude am Glauben, eine neue Liebe zum (Lobpreis-)Gebet und ebenso zur Heiligen Schrift, die jetzt in der Regel tiefer und besser verstanden wird. Oft stellt sich auch die Erfahrung ein, von Gott geführt zu werden, was ja im Zusammenhang mit der Gabe der Unterscheidung der Geister steht. Gerade für Priester ist diese lebendige Erfahrung des Heiligen Geistes heute ganz besonders wichtig. Dies bezeugen u. a. 11 Priester in der Broschüre „Die erste Liebe. Vom Glück, ein Priester zu sein“ (herausgegeben von Gertraud Rességuir, ISBN 3-87868-420-7). Manche von ihnen, die schon an eine Aufgabe ihres Priestertums dachten, haben nach einer neuen, intensiven Gotteserfahrung wieder große Freude an ihrem Dienst gefunden.

4. Verkündigung mit brennendem Herzen
 
Für unser Thema ist besonders wichtig, dass nach einer derartigen Erfahrung häufig das Herz zu brennen beginnt und die Verkündigung des Betreffenden eine völlig neue Qualität erhält. Es heißt ja schon bei der Pfingstpredigt des Hl. Petrus: „Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz“ (Apg 2,37) Wenn die Predigt – in der Kraft des Heiligen Geistes und seiner Gaben – auch noch durch Zeichen und Wunder bestätigt wird, können oft auch hartgesottene Sünder und Kirchengegner zur Umkehr bewegt werden. Viele Berichte zeigen, dass dies tatsächlich auch heute geschieht. 
 
Hoffnung auf eine neue Blüte des Glaubens  
Warum soll das, was in der frühen Kirche selbstverständlich war, heute nicht mehr möglich sein. Die gegenwärtige Situation der Gläubigen als einer Minderheit, die weithin einem massiven Unglauben gegenübersteht, ist ja der Situation der Kirche der Frühzeit außerordentlich ähnlich. Deshalb wird ohne die Hilfe „von oben“, wie sie die junge Kirche erfuhr, eine Neuevangelisierung in Zukunft schwerlich möglich sein. Eine rein auf der menschlichen Ebene angesiedelte Mission wird trotz allem Scharfsinn, allen ausgeklügelten Methoden und Planungen nicht zum Erfolg führen. Und weil dies viele Verantwortliche in der Kirche spüren, wird von „Neuevangelisation“ zwar manchmal gesprochen – aber in der Praxis ist davon wenig zu sehen. Lediglich die neuen geistlichen Bewegungen haben dieses Anliegen aufgegriffen, ebenso die katholischen Radio- und Fernsehstationen. Deswegen sollte alles nur Erdenkliche geschehen, um diese Initiativen nach Kräften zu fördern und zu stützen, damit der katholische Glaube in Deutschland auch in Zukunft nicht ausstirbt, sondern zu neuer Blüte gelangt.


Neuevangelisation - ein Gebot der Stunde
aus der Februar-Nummer der Zeitschrift "Der Fels"
 
Schon kurz nach seiner Wahl zum Papst hat Johannes Paul II wiederholt und eindringlich eine Neuevangelisierung Europas gefordert. Dieser Ruf wurde zwar vernommen und in der Folgezeit von einigen Hirtenschreiben aufgegriffen. Trotzdem ist seitdem in Deutschland praktisch wenig in dieser Richtung geschehen. Noch immer zögern viele Bischöfe und Seelsorger, das Modell der (schrumpfenden) Volkskirche um das zu ergänzen, was heute Not tut. So sagte etwa ein Weihbischof auf die Frage, was man im Ordinariat über das Thema „Neuevangelisation“ denke: „Aber das ist doch für euch kein Problem. Bei euch werden doch noch die meisten Kinder getauft, zur Erstkommunion geführt und zumeist auch noch gefirmt.“

Sicher, bei der Firmung erlebt der Bischof auch heute noch volle Kirchen. Er sieht viele Firmlinge und die sie begleitenden Eltern und Paten. Aber wenn man genau hinschaut merkt man: Viele von ihnen können das Glaubensbekenntnis oder das „Vater unser“ nicht mehr mitsprechen. Und jeder Pfarrer weiß: Von den vielen Firmlingen, die eben das Sakrament empfangen haben, wird er in den nächsten Jahren kaum noch einen in der Kirche sehen. Und überall zeigt sich das gleiche Bild: Die älteren Jahrgänge, die oft noch gute Gottesdienstbesucher waren, werden zahlenmäßig von Jahr zu Jahr weniger, aber aus der jungen Generation wächst kaum noch etwas nach. So bluten die Gemeinden von Jahr zu Jahr mehr und mehr aus.

Was ein Bischof freilich kaum wahrnimmt, ist die Zahl der Nichtgetauften und der am kirchlichen Leben nicht mehr Interessierten. Sie nehmen von Jahr zu Jahr zu. Falls diese Entwicklung ungebremst weitergehen sollte – was Gott verhindern möge – wird Deutschland eines Tages eine nichtchristliche Mehrheit haben.

Die Reaktion der Seelsorger auf diese Situation ist unterschiedlich: die einen leiden darunter und suchen vergeblich nach Möglichkeiten, dieser Situation zu begegnen. Viele andere aber haben resigniert und sich mit dieser Situation abgefunden.

Der Alphakurs breitet sich aus

Wer sich trotz allem nicht entmutigen lässt und sich ehrlich auf die Suche nach neuen Möglichkeiten der Evangelisation macht, stößt früher oder später auf das Modell des „Alpha-Kurses“. Mit diesen Kursen hat die anglikanische „Holy Trinity“ Gemeinde im Londoner Stadtteil Brompton vor etwa 25 Jahren begonnen. In den folgenden Jahren wurden sie von Nicky Gumbel, einem ehemaligen Rechtsanwalt, weiterentwickelt. Dabei ist bemerkenswert, dass Nicky Gumbel zunächst selbst ungläubig war, erst nach seiner Bekehrung Theologie studiert hat und dann als Pfarrer ordiniert wurde. Sein Beispiel zeigt: die wirksamste Evangelisation geschieht – wie in der Frühzeit der Kirche – durch Neubekehrte, die die Not des Unglaubens am eigenen Leib erfahren haben. Sie wissen das Geschenk des Glaubens oft mehr zu schätzen als jene, die von Frühauf im Glauben aufgewachsen sind. Deshalb drängt es sie auch, diesen Reichtum an möglichst viele weiterzugeben. Der Erfolg der Alphakurse beruht nicht zuletzt auf diesem Prinzip: Wer Jesus Christus für sich entdeckt hat, der spricht auch zu anderen von seiner Entdeckung. Und er versucht diese, auf den gleichen Weg zu führen.

In London haben die Alpha-Kurse zunächst auch klein und bescheiden begonnen. Aber durch die „Mund-zu-Mund-Werbung“ der Absolventen wuchs die Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr stärker an, so dass Nicky Gumbel inzwischen bei jedem Kurs mit 400 bis 500 Teilnehmern rechnen kann. Interessanterweise sind es vor allem junge Menschen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren, die sich hier angesprochen fühlen.

Seit 1991 haben sich diese Kurse dann über London und auch über England hinaus verbreitet. Heute zählt man etwa 33000 Gemeinden, die in 160 verschiedenen Ländern diese Kurse durchführen. Man rechnet damit, dass bisher etwa acht Millionen Menschen einen Alphakursb besucht haben, von denen die meisten vorher ungläubig oder nicht praktizierend waren.

Die weite Verbreitung dieses Kurses auch über die Konfessionsgrenzen hinaus wurde möglich, weil der Kurs sich thematisch auf die wirklich fundamentalen Grundlagen des christlichen Glaubens beschränkt, also auf Themen, die für Fernstehende unersetzlich wichtig sind, die in unserer normalen Verkündigung heute aber kaum noch vorkommen. Da konfessionelle Unterschiede dabei bewusst ausgeklammert werden, kann dieses Modell praktisch in Gemeinden aller Konfessionen aufgegriffen werden. Dies erfordert in katholischen Gemeinden allerdings eine entsprechende Ergänzung im Hinblick auf die Sakramente, wofür inzwischen auch hilfreiche Unterlagen ausgearbeitet wurden. Insgesamt rechnet man damit, dass im deutschen Sprachgebiet inzwischen etwa 100 katholische Gemeinden diese Kurse durchführen. ( Der Koordinator für die Alphakurse in der katholischen Kirche in Deutschland und Österreich ist Johannes Seidel, Dorfstr. 18 – D-82347 Bernried am Starnberger See, Tel. 08158/ 904989, johannes.seidel@web.de)

Wie sieht so ein Kurs praktisch aus?

Der Alpha-Kurs umfasst 10 Abende und ein Wochenende. Jeder Abend beginnt mit einem gemeinsamen Abendessen, das dem persönlichen Kennenlernen und dem Einander-näher-Kommen dient. Die Kursteilnehmer erfahren hier, dass sie voll Liebe in einem festlich geschmückten Raum willkommen geheißen werden.

Der darauf folgende inhaltliche Teil kann sowohl durch persönliche Referate oder aber durch die in London aufgenommenen DVDs mit Nicky Gumbel erfolgen. Letzteres hat den Vorteil, dass es die Durchführung eines solchen Kurses erheblich erleichtert und dass man hinterher in den Gruppengesprächen über die Ausführungen eines nicht anwesenden Referenten spricht. Das erleichtert es den Teilnehmern, Zweifel und Bedenken zu äußern. Außerdem sind die Ausführungen Nicky Gumbels sehr humorvoll, reich an Beispielen und zudem voller bedeutsamer Informationen. Immer wieder werden hier auch Stellen aus der Heiligen Schrift eingeblendet. Soweit Referate in katholischen Gemeinden gehalten werden, gibt es das von Pfr. Leo Tanner zusammengestellte Referentenhandbuch zum Alphakurs (WeG Verlag, ISBN 3-909085-20-2)

Im inhaltlichen Teil des Alphakurses werden Themen aufgegriffen wie z.B.: “Wer ist Jesus?“ – „Warum starb Jesus?“ – „Wer kann mir Gewissheit im Glauben geben?“ - „Warum und wie bete ich?“ – „Wie kann man die Bibel lesen?“ oder „Wie führt uns Gott?“. Das Wochenende, das in der Regel am Freitagabend beginnt und am Sonntag endet, ist ganz dem Heiligen Geist gewidmet. Es antwortet auf die Fragen: „Wer ist der Heilige Geist?“ – „Was tut der Heilige Geist?“ oder „Wie werde ich mit dem Heiligen Geist erfüllt?“ In katholischen Kursen wird dann zumeist das Beichtsakrament oder ein Seelsorgegespräch angeboten. Anschließend wird der Heilige Geist auf alle herabgerufen, wobei auch für Einzelne persönlich gebetet werden kann.

Im Anschluß an das Wochenende wird der Kurs weitergeführt mit Themen wie z.B.: „Wie widerstehe ich dem Bösen?“ – „Heilt Gott auch heute noch?“ oder „Welchen Stellenwert hat die Kirche?“ Er endet dann mit einer Abschlussfeier, zu der viele Kursteilnehmer auch Interessenten mitbringen, von denen sich manche daraufhin entschließen, den nächsten Kurs zu besuchen.

Wie oben schon angedeutet, lernen sich die Teilnehmer nicht nur beim Abendessen gegenseitig kennen. Vielmehr treffen sich die Tischgruppen nach den jeweiligen Referaten in gleichbleibender Zusammensetzung , um das eben Gehörte gemeinsam zu besprechen. Dabei ist jede Frage zugelassen, und jeder Teilnehmer ist eingeladen, offen und ohne Scheu seine Meinung zu sagen. Aufgabe des Gruppenleiters und seiner Helfer ist es dann, behutsam auf diese Einwände einzugehen und aus dem Glauben heraus eine Antwort zu versuchen. Obwohl sich das alles recht einfach anhören mag, ist es doch keineswegs leicht und bedarf viel Fingerspitzengefühl, gute Vorbereitung und viel Erfahrung im Umgang mit Nichtchristen. Im Gegensatz zu den Gemeinden der Urkirche haben wir ja heute mit der Erstevangelisation Erwachsener weithin keine Erfahrung mehr

Erste praktische Schritte

Wer mit einem Alpha-Kursen beginnen möchte, dem sei zunächst die Anschaffung des Einführungsvortrags auf DVD (8,- Euro) oder des DVD-Sets allen 15 Vorträgen von Nicky Gumbel empfohlen. (Gerth-Verlag Euro 119.-) Hier kann man nicht nur miterleben, wie lebendig, wie humorvoll und doch fundiert Gumbel seinen Hörern wichtige Glaubensinhalte vermittelt. Da die Kamera auch immer wieder in den Zuhörerraum schwenkt, sieht man da auch die Reaktionen der zumeist jüngeren Teilnehmer sowie ihr aufmerksames Mitgehen.

Ein zweiter Schritt wäre, sich die Broschüre „Grundlagen für katholische Christen zum Alphakurs“ von Leo Tanner anzuschaffen und durchzuarbeiten (WeG Verlag, ISBN 978-3-909085-21-7). Hier werden nicht nur alle wichtigen seelsorglichen und theologischen Fragen behandelt, sondern auch ganz praktisch gezeigt, wie man solch einen Kurs vorbreitet und was dabei besonders zu beachten ist. So erfährt man z.B., dass ein größerer Mitarbeiterkreis erforderlich ist, der sich um die Mahlzeiten, um die Sitzordnung und um die Saal- und Tischdekoration etc. kümmert. Benötigt werden auch Leute für die Leitung der Gruppen und ebenso für die Bedienung der verschiedenen technischen Geräte.

Als dritten Schritt sollte dieses Team zusammen mit dem Kursleiter rechtzeitig einen der regional angebotenen Alpha-Trainingstage besuchen (Termine siehe unten). Dort werden nicht nur Fragen der Methodik erörtert, sondern auch die reichlich vorhandenen Hilfsmittel – etwa das Werbematerial oder die Teilnehmer-Begleithefte – vorgestellt. Insgesamt gilt: je intensiver die Vorbereitungen sind und je genauer die Regeln für die Durchführung solcher Kurse eingehalten werden, desto sicherer ist der Erfolg – was allerdings nicht ausschließt, dass jeder Kurs ein neues Abenteuer ist.

Als wir vor einigen Jahren in Benediktbeuern den ersten Kurs durchführten, hatten wir den großen Vorteil, dass ein halbes Jahr zuvor ein Seminar „Neues Leben im Heiligen Geist“ stattgefunden hatte. Auch hier wird bekanntlich mit den Teilnehmern um ein Neuerfülltwerden mit dem Heiligen Geist gebetet. Aus den Teilnehmern dieses Seminars konnte relativ schnell ein Alphakurs-Team gebildet werden, das sich dann mit ganzer Hingabe seiner Aufgabe gewidmete hat. Bemerkenswert war vor allem die „Einheit im Geist“, die immer wieder spürbar wurde und eine problemlose Zusammenarbeit aller ohne jeden Reibungsverlust ermöglicht hat. Dies weist darauf hin, dass – wie schon die Apostelgeschichte zeigt – eine fruchtbare Evangelisation nur in der Kraft des Heiligen Geistes möglich ist. Hier allein liegt letztlich der Schlüssel für den Erfolg.


Der Alphakurs: Was kommt danach?

Als ein Pfarrer auf dem Alphakurstrainingstag diese Frage stellte, bekam er vom Referenten die überraschende Antwort: Nach dem Alphakurs kommt der Alphakurs. Was war damit gemeint? Wirkliche und dauerhafte Früchte in Pfarreien bringt der Alphakurs nur, wenn man ihn regelmäßig durchführt, so dass aus den Gästen, die im Alphakurs einen ersten Glaubensschritt gemacht haben, selbst wieder Verkündiger werden – sei es durch Einladung ihrer Freunde und Nachbarn zum nächsten Alphakurs, sei es durch die Mitarbeit im Alphakursteam als Helfer oder Gruppenleiter. Dadurch soll der Teilnehmer vom „Nehmen“ (Aufnehmen als Gast) zum „Geben“(anderen Dienen als Teammitglied) geführt werden. In der Heimatpfarrei des Alphakurses in London werden deshalb drei Kurse pro Jahr angeboten, in vielen anderen Pfarreien zumindest zwei.

Der Kapuziner und Prediger des päpstlichen Haushalts P. Raniero Cantalamessa OFM hat vor einigen Jahren bei der Eröffnung der Internationalen Alphakonferenz in London gesagt:
“Der Alphakurs ist nicht der Alpha- und Omegakurs!“ Das bedeutet: der Alphakurs ist nicht alles, sondern er stellt in Wort und Tat lediglich das „Keryma“ vor, also die Grundlage des christlichen Glaubens, oder mit anderen Worten: Es geht um die persönliche Beziehung zu Gott durch Jesus Christus, dargeboten in der Gemeinschaft der Kirche.

Darauf aufbauend sind zwei weitere Schritte notwendig: Erstens, dass nach dem Alphakurs eine weiterführenden Gruppe angeboten wird, in denen sich die daran Interessierten wöchentlich treffen können zu Gebet, Austausch und der Beschäftigung mit dem Wort Gottes. (Ein gutes Modell von Glaubensgruppen in einer katholischen Pfarrei sind die evangelistischen Pfarrzellen, die in der Mailänder Pfarrei St. Eustorgio entstanden sind.)

Ein zweites ist das Angebot an weiterführenden Katechesen. Die heute nur noch selten angebotenen Erwachsenenkatechesen stoßen häufig auf Desinteresse, weil die vorausgesetzte Beziehung zum Herrn nicht (mehr) vorhanden ist. Nach dem Alphakurs aber ist das meist anders. Die Gäste entwickeln gewissermaßen einen Hunger und sagen: „Jetzt spricht mich das Wort Gottes an. Jetzt gehe ich wieder gern in die heilige Messe“. Viele Pfarreien haben hier gute Erfahrungen mit dem „Eucharistiekurs“, dem „Vaterunserkurs“ und dem „Kirchenkurs“ gemacht (alle im WeG Verlag). Man kann diese Folgekurse entweder in den Gruppen anbieten oder auch als großen Kurs für die gesamte Gemeinde, so dass sich die Alphakursabsolventen mit der Kerngemeinde mischen können.

Termine

Die nächsten Alphakursschulungen finden statt am 28. Februar (Essen), 14. März (Stuttgart), 28. März (Jugendalpha, Puchheim bei München), 19. September (München).
Außerdem besteht das Angebot einer Fahrt zur Alphakonferenz nach London vom 8. bis 9. Juni 2009 und die Fahrt zum Pfarrzellseminar nach Mailand vom 3. bis 7. Juni 2009 (jeweils mit deutscher Übersetzung). Auskunft darüber gibt es bei den Alphakursbüros (Adressen siehe Webseiten) oder bei Johannes Seidel, der auch gerne für Fragen und Einführungsvorträge in Pfarreien zur Verfügung seht.

 Zum Schluss seien noch einige Zeugnisse über den Alphakurs angefügt:

Herr Michael Flückiger aus der Schweiz schreibt:
„Der Alpha-Kurs ist der wertvollste, beglückendste und sinnerfüllteste Kurs an dem ich je teilgenommen habe. Das ist das Fazit, welches ich nach 8 Wochen Kursdauer ziehen darf. Niemals hätte ich mir das vor dem Beginn dieses Kurses in den fernsten Träumen auch nur ausgemalt…. Der Grund für die Teilnahme war bei mir das Verspüren von Leere, von Sinnlosigkeit und eine Art Kälte.“

Weihbischof Martin Gächter, Basel, fasst sein Urteil so zusammen:
In den Alphakursen verkündigen die Referenten das Wort Gottes in einer zeugnishaften, lebensnahen Sprache. Wesentlich evangelisierend wirkt die Erfahrung von Liebe und Gemeinschaft und der Austausch über den Glauben. Dabei kann die ganze Breite und Komplexität der Lebens- und Glaubenswirklichkeit besprochen werden. Nach eingehender Prüfung im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz betrachte ich diese Kurse als geeignete Form einer sehensreichen Neuevangelisierung, um Menschen im Glauben anzusprechen und sie zu einer Lebensentscheidung für Christus zu führen. Es würde mich freuen, wenn viele diese Chance wahrnehmen.“

Und Erzbischof Alois Kothgasser, Salzburg, sagt:
„Die Erfahrungen mit dem Alpha-Glaubenskurs zeigen, dass die Menschen von heute unserer Zeit angepasste Formen der Glaubensverkündigung brauchen. Ich freue mich, dass dieser Kurs nun auch in der katholischen Kirche in Österreich immer mehr Verbreitung findet und dass durch ihn Menschen zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus finden“.

Weitere Informationen:
Der Alphakurs: www.alphakurs.de, www.alphakurs.at, www.alphalive.ch
Alphakurs für Katholiken: www.alphakurs.de/kurse/katholisch.html
Materialien für den Alpha-Kurs: www.gerth.de und www.ddmedien.com/49.html
Pfarrzellen: www.santeustorgio.it

 

                                          
Neuevangelisation tut Not
 
Es ist unübersehbar: die Kirche schrumpft. Die Kinderbänke leeren sich, die jungen Familien fehlen weithin, die Weitergabe des Glaubens von einer Generation zur anderen funktioniert nicht mehr. Auch der Religionsunterricht
ist z. T. mangelhaft, zumal manche Religionslehrer  dem Glauben gegenüber starke Vorbehalte haben. Weite Teile Deutschlands sind zudem entchristlicht – vor allem im Bereich der ehemaligen DDR. Deshalb hatte der verstorbene Papst Johannes Paul II sicherlich  recht, wenn er wiederholt eine „Neuevangelisation“ angemahnt hat. Aber dieser Ruf ist – zumindest in Deutschland – weithin ungehört verhallt. Am guten Willen fehlt es sicher nicht, aber man weiß offenbar nicht recht, wie man  so etwas wie eine Neuevangelisation anpacken soll. So erscheint zwar ab und zu ein Hirtenbrief zu diesem Thema. In einigen Ordinariaten macht man sich wohl auch Gedanken über die dazu geeigneten Methoden. So  entstehen mancherorts umfangreiche Seelsorgspläne – aber was die Umsetzung betrifft, da ist man anscheinend mehr oder weniger hilflos.

Die Voraussetzungen für die Neuevangelisation

In dieser Situation ist es hilfreich, zurückzublicken und auf Jesus zu schauen bzw. auf den Beginn seiner Mission. Er hat ja als erster „evangelisiert“. Und es ist vor allem wichtig zu sehen, wie es bei ihm begonnen hat. Am Anfang steht die Taufe im Jordan. Dort kam der Heilige Geist neu und mächtig auf ihn herab. Und in der Fülle dieser neuen Geistausgießung beginnt Jesus seine Predigt mit einer Vollmacht, die die Menschen aufhorchen und erstaunen, ja zum Teil sogar erschrecken lässt. Und es bleibt nicht bei der Predigt: Seine Worte werden begleitet und bestätigt durch die Wunder, die vor aller Augen geschehen. Deshalb strömen die Menschen in Massen herbei. Sie hören seine Botschaft. Und sie bringen auch ihre Kranken mit, von denen viele geheilt werden.

Nach einiger Zeit unternimmt Jesus im Auftrag des Vaters einen weiteren, wichtigen Schritt: Aus der Vielzahl der Menschen, die zu ihm kommen, wählt er einige aus, damit sie bei ihm bleiben und in seinen Dienst hineinwachsen. Schließlich gibt er ihnen den Auftrag: „Geht und verkündet:“Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus.“(Mt 10, 7f)  Bevor Jesus jedoch in den Himmel aufgenommen wurde, sagte er ihnen: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet“ (Lk 24, 49). Jesus wußte ja, dass Evangelisation ohne das Feuer des Heiligen Geistes vergeblich wäre, und ebenso ohne die Gaben des Heiligen Geistes. Deshalb sollten die Jünger in Jerusalem bleiben, bis sie an Pfingsten vom Heiligen Geist erfüllt würden.

Keine Neuevangelisation ohne den Heiligen Geist

Aus all dem ergibt sich: Ohne eine Neuerfüllung mit dem Heiligen Geist kann es keine Neuevangelisation geben. Das hat schon Elena Guerra, die Prophetin des Heiligen Geistes erkannt. Von 1895 an wandte sie sich an die Gläubigen, die Priester und auch an Papst Leo XIII mit der Botschaft, zum Heiligen Geist zurückzukehren, „damit der Heilige Geist zu uns zurückkehrt.“ Johannes XIII, der zu Beginn des 2.Vatikanischen Konzils ein „neues Pfingsten“ erhoffte, hat diese Aussagen gekannt, denn er selbst hat Elena Guerra selig gesprochen.

Am Beginn einer Neuevangelisation muß also das stehen, was auch bei Jesus und bei den Aposteln am Beginn ihres Wirkens stand: Ein Neuerfülltwerden mit dem Heiligen Geist oder – anders gesagt – ein persönliches Pfingsten. Die Voraussetzung dafür aber ist eine Erneuerung der Tauf- und Firmgnade: Das bedeutet, dass ich mich entschieden und radikal von allem Bösen abwende und Gott neu zum Herrn meines ganzen Lebens mache. Nicht mein Wille soll geschehen, sondern allein der seine. Und wenn ich mich Gott ausliefere mit allem, was ich bin und habe, und ihn um die Neuerfüllung mit dem Heiligen Geist bitte, dann kann ich auch darauf vertrauen, dass mir das Erbetene zuteil wird. Ich werde erfahren dürfen, dass er mich persönlich führt und zu all dem hinleitet, was er für mich vorgesehen hat.

Ein Heiliger hat einmal gesagt: „Wahrscheinlich können wir uns alle gar nicht vorstellen, was Gott aus uns machen könnte, wenn wir uns tatsächlich ganz ihm übergeben würden“ – also  uns ihm überlassen, ohne Vorbehalt, ohne Bedenken, ohne Angst und ohne Zögern. Wir sollten von dem Vertrauen getragen sein: Er kennt mich, er liebt mich, er führt mich und weiß viel besser als ich, was jeweils richtig und gut für mich und für die Kirche ist. Wenn ich ihn dann täglich neu um seinen Geist bitte, dann wird mich sein Feuer in gleicher Weise vorantreiben wie seinerzeit die Jünger und ebenso wie die Glaubensboten aller Jahrhunderte. Und der Drang, die Heilsbotschaft weiterzugeben wird in mir dann so stark sein wie etwa in Paulus, der von sich sagte: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte.“(1. Ko  9, 16)

Neuevangelisation praktisch

Wie kann Neuevangelisation nun ganz praktisch aussehen? Wenn man auf die frühe Kirche blickt, so war es besonders das tägliche Zeugnis der vom Heiligen Geist erfüllten Christen, das eine große Anziehungskraft ausübte. Die Ungläubigen spürten: diese Menschen sind anders als wir. Sie haben ein Geheimnis, das kennenzulernen sich lohnt. Während bei den Heiden  Lüge, Haß, Untreue, Ehebruch,  Perversionen, Schamlosigkeit und Abtreibung  an der Tagesordnung waren, sahen sie, dass die Christen in Friede und Freude miteinander lebten, einander liebten, einander halfen, dass sie „ein Herz und eine Seele“ waren. Das weckte in vielen Heiden den Wunsch: Ich möchte auch so ein Leben führen wie diese Menschen. So wuchs in vielen von ihnen – besonders auch in den jungen Menschen – der Wunsch, sich den christlichen Gemeinden anzuschließen. Nicht Überredungskunst, nicht ausgeklügelte Methoden, sondern das überzeugende, aus der Kraft des Heiligen Geistes gelebte tägliche Leben ließ die Gemeinden wachsen.

Ein zweiter, ganz wichtiger Schritt der Neuevangelisation ist dies: Jeder von uns hat heute nahe Angehörige – Söhne, Töchter, Enkel, Verwandte oder Freunde – die dem Glauben fern stehen und die durch gute Worte nicht erreichbar sind. Hier ist es notwendig, sich vom Herrn diejenigen zeigen zu lassen, für die ich von nun an täglich beten soll: beten, dass der Herr sie anrührt, dass er ihr Herz erleuchtet und alle falschen Gedanken und Vorstellungen aus ihrem Innern entfernt. Und ein solches Gebet kann nur wirken, wenn es gegebenenfalls auch über Jahre und Jahrzehnte fortgesetzt wird. Es gibt genügend Beispiele, dass ein solches beständiges Beten selbst hartnäckige Sünder zur Bekehrung führt. Dies war nicht nur beim Hl. Augustinus der Fall, für den seine Mutter Monika über lange Zeit hin betete, sondern auch bei unzähligen anderen. Ein Beispiel dafür ist etwa der heute weltweit als Laienprediger tätige Allan Ames, der sich erst nach einer 30jährigen kriminellen Laufbahn zum Herrn bekehrt hat. Deshalb ist es wichtig zu wissen: Kein Ungläubiger findet zum Herrn, für den nicht intensiv gebetet wird – und wenn es sein muß,  auch über Jahre und Jahrzehnte hinweg.

Die Gaben des Heiligen Geistes

Für eine wirksame Neuevangelisation sind die Gaben des Heiligen Geistes unverzichtbar. Der Hl. Paulus zählt sie im 12. Kapitel des 1. Korintherbriefs (Vers 8 – 11) auf. Leider sind sie in der katholischen  Kirche von heute weithin unbekannt, was die  Neuevangelisation sehr erschwert. So lässt uns etwa die Gabe der Weisheit das Geführtwerden durch Gott erfahren: Sie hilft uns zu erspüren, wann der rechte Zeitpunkt für ein Gespräch gekommen ist und was ich jeweils sagen soll. Auch hier gilt das Wort Jesu: „Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden“ (Mt 10, 20) Der Herr wird mir ferner zeigen, wo und wann ich Zeugnis ablegen kann von dem, was er an mir getan hat. Ebenso wird er mich aufmerksam machen,  wenn ich jemand zu einem Seminar, zu Exerzitien oder zu einem Einkehrtag einladen soll. Vielleicht regt er mich auch an, dem Betreffenden ein gutes Buch oder eine religiöse Schrift zu geben.

Die Gabe der Erkenntnis, die ja der Gabe der Herzensschau verwandt ist, kann dem Seelsorger beispielsweise zeigen, wo die eigentlichen Ursachen für die psychischen Schwierigkeiten seines Gesprächspartners liegen. Hier können oft Heilungsprozesse in Gang kommen, die zuvor trotz vieler psychotherapeutischer Sitzungen nicht ausgeräumt werden konnten. Ergänzend kann dann die Gabe der Heilung sowohl auf seelischem wie auf körperlichem Gebiet viel Gutes bewirken. Wer sich vom Heiligen Geist leiten lässt, wird immer wieder Kranken und Leidenden die Hände auflegen und für sie beten. Und er wird manches Heilwerden erleben dürfen, und ebenso die große Dankbarkeit derer, für die er beten durfte.

Wie Gott solches Gebet für Kranke gebrauchen kann, dafür ein Beispiel: Ein junges Ehepaar erfährt, dass ein Onkel an Krebs erkrankt ist und hoffnungslos daniederliegt. Sie besuchen ihn mehrfach, legen ihm die Hände auf und beten für ihn. Der Onkel, der jahrlang keine Kirche mehr aufgesucht hatte, bittet nach dem zweiten Besuch ganz überraschend, einen Priester zu holen, weil er beichten möchte. Und danach empfängt er – kurz vor seinem Tod – auf eigenen Wunsch hin die heilige Kommunion.

Viele, die nach Gebet selbst Heilung erlebt haben oder miterleben durften, wie andere geheilt wurden, leben seither in der Überzeugung: Ja, dieser Jesus ist tatsächlich auferstanden. Er lebt und wirkt hier unter uns heute noch genau so wie vor 2000 Jahren. Wer dies einmal erfahren hat, dessen Glaube wächst, und ebenso wächst seine Bereitschaft, anderen davon Zeugnis zu geben.

Auch die anderen Geistesgaben sind für die Neuevangelisation von Bedeutung. So hilft die Gabe der Unterscheidung deutlicher zu erkennen, wo in einem Menschen die Mächte der Finsternis am Werk sind. Und sie öffnet erst recht die Augen dafür, wie sehr heute sowohl  die Kirche als auch viele unserer Mitmenschen von diesen Mächten angegriffen werden. Diese Gabe macht auch deutlich, welch verhängnisvolle Rolle hier die Esoterik-Welle und der Okkultismus spielen.  Oft sind es ja gerade die Mächte des Bösen, die sich einer Neuevangelisation in den Weg stellen. Die Erfahrung aus Geschichte und Gegenwart lehrt, dass oft erst nach einer Überwindung dieser Mächte eine Welle der Bekehrungen möglich wird. Insofern wusste die frühe Kirche sehr wohl, was sie tat, wenn sie die Katechumenen bei jeder Zusammenkunft erneut exorzierte. Wo freilich die Gabe der Unterscheidung fehlt, da meint man heute allen Ernstes, dass es keinen Satan und keine Mächte der Finsternis gibt und dass der Exorzismus deshalb überflüssig wäre.

Schließlich sei auch auf die Sprachengabe verwiesen. Sie war ja in der frühen Kirche weit verbreitet und hat sich als „Jubilieren“ – also als „Singen in Sprachen“ – bis ins Mittelalter hinein gehalten. Paulus schreibt wohl zu recht: „Wer in Sprachen betet, der erbaut sich selbst“ (1. Ko 14, 4). Mit anderen Worten: Durch die Sprachengabe wird der innere Mensch auferbaut und gefestigt. Und Paulus bekennt auch: „Ich bete mehr in Sprachen als ihr alle“ (1. Ko 14, 18), Wohl deshalb konnte er in der Kraft des Heiligen Geistes auch so viele Menschen für Jesus gewinnen

Im übrigen dürfen wir sicher darauf vertrauen, dass der Herr auch heute mit denen ist, die seine Botschaft zu verbreiten suchen, so wie es auch im Markusevangelium heißt: „Der Herr wirkte mit ihnen und bestätigte das Wort durch die begleitenden Zeichen“ (Mk 16, 20)

Den rechten Zeitpunkt abwarten

Viele unserer älteren Mitmenschen sind erfahrungsgemäß auf den Glauben hin zunächst kaum ansprechbar. Typisch dafür mag der Ausspruch eines Zeitgenossen sein, der meinte: „Ich brauch keinen Gott. Ich hab doch alles“. Aber in dem Moment, in dem ihn ein unerwarteter Schicksalsschlag trifft – plötzliche schwere Erkrankung, Verlust des Ehepartners oder des Arbeitsplatzes, plötzlicher Tod von Angehörigen etc. – ändert sich häufig die Situation. Wer merkt, wie brüchig der Boden ist, auf dem er steht, der spürt, dass er einen Halt braucht. Nicht selten ist er deshalb plötzlich bereit, dass man mit ihm betet, dass er Einladungen zum Gottesdienstbesuch annimmt oder religiöse Veranstaltungen besucht.

Natürlich gibt es noch weitere Wege der Neuevangelisation. So sind etwa manche Gruppen der neuen geistlichen Gemeinschaften dazu übergegangen, auf den Straßen zu evangelisieren. Sie machen durch Lieder und Wortverkündigung die Passanten auf sich aufmerksam. Andere wieder laden junge Menschen zu Freizeit-Lagern ein, in denen auf jugendgemäße Weise der Glaube verkündigt wird. Auch durch Großveranstaltungen wie etwa dem Weltjugendtag sind nachweisbar viele Jugendlichen neu zum Glauben gekommen. Schließlich könnte man auch an den Aufbau einer Haus-zu-Haus-Mission denken. Solche Ansätze hat es ja früher schon im Ruhrgebiet und ebenso bei der Legio Mariä gegeben.

Zum Abschluß sei auch auf die Hilfen hingewiesen, die heute von den religiösen Massenmedien ausgehen. Bekanntlich gibt es seit 10 Jahren den katholischen Radiosender „Horeb“ mit einem 24stündigen religiösen Programm, ferner die katholischen Fernsehsender K.TV („Kephas“-Fernsehen) und EWTN. Daneben bringt auch der ökumenische Sender „Bibel-TV“ häufig katholi
© 2009 by Dr. Hansmartin Lochner letzte Aktualisierung der Webseite: 03.02.2012